01.10.2025
Der bpt hat seine
Reihe an Zusammentreffen zum Austausch zwischen den befreundeten Tierärzteverbänden
aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) vom 27. bis 28. August 2025
am Sitz der in diesem Jahr gastgebenden
Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) in der
Schweizerischen Bundeshauptstadt Bern weitergeführt. Mit dabei für den bpt: bpt-Präsident
Dr. Siegfried Moder, Geschäftsführer Heiko Färber und Europareferentin
Gabriele Moog. Die Österreichische Tierärztekammer (ÖTK) war vertreten durch
ihren Präsidenten, Mag. Kurt Frühwirth, den 2. Vizepräsidenten Dietmar Gerstner
sowie die Kammeramtsdirektorin (Geschäftsführerin) Frau Mag. Nicole Semlitsch. Für
die GST waren deren Präsident, Dr. Roberto Mossi, Geschäftsführer Daniel
Gerber sowie Livia Riedo
beteiligt,
bei der GST zuständig für Marketing, Kongress und
Online-Plattformen.

Breiten Raum nahm bei dem Treffen die Auswertung der Wirtschaftsforen
von GST, ÖTK und bpt ein. Jeder der drei Verbände hat inzwischen eine solche Tagung
verantwortet und so galt es nun, Bilanz zu ziehen und das Konzept für die
Zukunft zu verfeinern.
Einig sind sich die drei Verbände über den Bedarf an einer
solchen Plattform, die wirtschaftliche Themen für die Veterinärbranche
strategisch aufbereitet und in einen internationalen Kontext einbettet. Um die
Zielgruppe künftig noch spezifischer in den Blick zu nehmen, das Gesamtkonzept
der Veranstaltung einverständlich fortzuentwickeln und das
Programm weiter zu schärfen, hat man die Einrichtung einer Ständigen
Arbeitsgruppe beschlossen, die schon bald zusammenkommen soll.
Zudem ist über die nächste Veranstaltung beschlossen
worden: 2026 wird es nach dem Willen der drei Verbände erneut einD-A-CH-Wirtschaftsforum geben, bei dem zunächst wieder der bpt
die Organisation übernehmen wird. Ort und Termin können Sie sich bereits
vormerken: 15. und 16. September 2025 in Freiburg im Breisgau.
Für die Gastgeber aus der Schweiz begrüßte erstmals der zum Jahresbeginn neu ins Amt eingeführte Präsident Mossi die Besucher aus den Nachbarländern. Er konnte sogleich ein umfangreiches Projekt vorstellen: Unter der Überschrift „Verantwortungsbewusst und mit Weitblick in die Zukunft“ hat die GST nämlich soeben eine Mehrjahresstrategie für die Jahre 2026 bis 2029 vorgelegt. Sie umfasst das gesellschaftliche, politische, berufliche, technologische und wirtschaftliche Umfeld und setzt Schwerpunkte für die Verbandsarbeit der kommenden vier Jahre. Konkrete Maßnahmen werden benannt, darunter die Unterstützung einer realistischen Wahrnehmung der tierärztlichen Berufsrealität oder Empfehlungen zu Aspekten des Datenaustauschs, des Datenschutzes, der Datensicherheit und der künstlichen Intelligenz, aber auch Weiterbildungsangebote oder Instrumente zur Burnout-Prophylaxe. Insgesamt ist es ein ambitioniertes Programm, das nicht zuletzt die Stärkung der politischen Einflussnahme in den Blick nimmt, ohne die politische Lobbyarbeit nun einmal nicht funktionieren kann.
Auf der Tagesordnung stand außerdem ein Vergleich der verschiedenen Meldesysteme für die Arzneimittelabgabe. Im Zusammenhang mit dem Thema Impfungen bei Nutztieren stimmten die Teilnehmer überein, dass ein Sinneswandel überfällig ist. Denn noch immer gelingt es dem Handel, Fleisch geimpfter, gesunder Tiere der Vernichtung preiszugeben, anstatt es zu verwerten. Dies sei weder ethisch noch vernünftig und daher – ganz im Sinne der langjährigen bpt-Forderung „Impfen statt Keulen“ – im Verbund mit den anderen europäischen Partnern endlich zu korrigieren.
Ausgetauscht haben sich die Teilnehmer zudem über Delegationsmöglichkeiten an Assistenzberufe. Hier stieß der Delegationsplan, den die AG TFA schon 2022 entwickelt hatte, auf großes Interesse. Bemerkenswert sind bisweilen die Unterschiede der vermeintlich ähnlichen Nachbarn: In Österreich, wo ein der TFA vergleichbarer Ausbildungsberuf überhaupt erst seit ca. zehn Jahren existiert, sind die Möglichkeiten der Aufgabenübertragung äußerst beschränkt, während in Deutschland längst über langfristige Berufsperspektiven, beispielsweise durch Aufstiegsfortbildungen, nachgedacht wird.
Weitere Themen des gegenseitigen Austauschs betrafen den Umgang mit der Komplementärmedizin oder die gemeinsame Sorge der Verbände ohne Pflichtmitgliedschaft um die nachlassende Bindung ihrer Mitglieder. Menschen scheinen sich generell seltener langfristig an Organisationen binden zu wollen – es gibt auch keine selbstverständliche Solidarität mehr innerhalb der Berufsgruppe. Hier muss es den freiwilligen Verbänden gelingen, gegenzusteuern.
Nach den spannenden Diskussionen zu aktuellen Themen der Veterinärbranche, entführten die Gastgeber die Teilnehmer auf Berns Hausberg, den Gurten, wo sich beim Blick über die Hauptstadt der Eidgenossenschaft die persönlichen Gespräche vertiefen ließen.
Ein nächstes D-A-CH-Treffen soll, voraussichtlich im Frühjahr 2025, beim bpt in Frankfurt am Main erneute Gelegenheit zur Intensivierung der Zusammenarbeit bieten.
Gabriele Moog